GmbH für Freelancer: Schutz vor Scheinselbstständigkeit

Die Umqualifizierung von Werkverträgen in ein Dienstverhältnis stellt für Freelancer und Unternehmen ein erhebliches Risiko dar. Diese ist das Resultat einer festgestellten Scheinselbstständigkeit. Im schlimmsten Fall kann dies finanzielle Folgen bis hin zur Existenzbedrohung haben. In der Praxis bekommt eine GmbH als Lösung für Freelancer zunehmend Beachtung. Erfahren Sie in diesem Artikel, wie eine GmbH vor Umqualifizierung schützt und der Wechsel in eine GmbH am besten gelingt.
Was bedeutet Umqualifizierung und warum ist sie problematisch?
Bei der Umqualifizierung wird ein ursprünglich als Werkvertrag geschlossener Vertrag von den Behörden oder Gerichten als Dienstvertrag eingestuft. Das hat zur Folge, dass der Auftragnehmer als Arbeitnehmer gilt, mit allen arbeitsrechtlichen und sozialversicherungsrechtlichen Verpflichtungen für den Auftraggeber. Besonders kritisch ist dies, wenn der Auftragnehmer als Einzelunternehmer tätig ist, also eine natürliche Person.
Die GmbH als juristische Person – Schutz vor Umqualifizierung
Eine GmbH ist eine Kapitalgesellschaft und damit eine juristische Person. Verträge werden mit der GmbH geschlossen, nicht mit der dahinterstehenden natürlichen Person. Nach aktueller Rechtslage können nur Verträge mit natürlichen Personen in ein Dienstverhältnis umqualifiziert werden. Durch die Gründung einer GmbH tritt der Freelancer als eigenständiges Unternehmen auf, stellt Rechnungen über die GmbH aus, trägt das Unternehmerrisiko und kann sich organisatorisch klar vom Auftraggeber abgrenzen.
Für Berater, IT-Dienstleister, Kreative und Techniker ist die GmbH daher nicht nur wegen steuerlicher Vorteile interessant, sondern vor allem wegen der klareren Trennung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer.
Wann sich der Wechsel in eine GmbH steuerlich lohnt
Ob die Gründung einer GmbH steuerlich sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab. Bei einem Jahresumsatz von etwa 50.000 Euro mit einem Auftraggeber und keinem weiteren Einkommen ist die GmbH meist nicht rentabel. Steigt der Umsatz jedoch näher an 100.000 Euro, kann die GmbH vorteilhaft sein. Eine individuelle Beratung durch einen Steuerberater ist hier unerlässlich, um die beste Rechtsform zu wählen.
Gefahr der Umqualifizierung ohne GmbH reduzieren
Falls die GmbH-Gründung noch nicht in Frage kommt, gibt es mehrere Strategien, um das Risiko einer Umqualifizierung zu minimieren:
- Mehrere Kunden gewinnen: Die Abhängigkeit von nur einem Auftraggeber erhöht das Risiko.
- Umsatz steigern: Eine höhere Einnahmebasis bei mehreren Kunden senkt die finanzielle Abhängigkeit.
- Eigene Betriebsmittel einsetzen: Wesentliche Betriebsmittel mit einem Wert über 1.000 Euro signalisieren unternehmerische Tätigkeit.
- Unregelmäßige Zahlungen vereinbaren: Regelmäßige, gleichbleibende Zahlungen wirken wie Gehaltszahlungen.
- Mitarbeiter einstellen: Freelancer mit eigenen Mitarbeitern gelten nicht als Dienstnehmer.
- Eigene betriebliche Strukturen aufbauen: Eine klare Organisation stärkt die Eigenständigkeit.
Wechsel in die GmbH gut planen
Ist das Unternehmen groß und profitabel genug, kann der Wechsel in die GmbH sinnvoll sein. Dabei ist eine sorgfältige Planung wichtig. Ein einfacher Stopp des Einzelunternehmens und die Fortführung als GmbH kann zu hohen Steuerbelastungen führen. Die Umgründung muss strukturiert erfolgen, idealerweise mit Unterstützung eines Steuerberaters. Auch Gründungskosten, laufende Buchhaltung und gesellschaftsrechtliche Pflichten sollten berücksichtigt werden.
Risiken für Auftraggeber und Freelancer
Die Gefahr der Scheinselbständigkeit betrifft vor allem die Auftraggeber, da sie bei einer Prüfung (z.B. durch die GPLB) nachzahlen müssen. Freelancer sollten darauf achten, dass ihre Struktur klar erkennbar ist: mehrere Auftraggeber, eigene Mitarbeiter, Betriebsmittel und betriebliche Organisation sind wichtige Indikatoren.
Fazit
Die Gründung einer GmbH kann für Freelancer eine wirksame Maßnahme sein, um die Risiken der Umqualifizierung zu reduzieren und gleichzeitig steuerliche Vorteile zu nutzen. Eine individuelle Beratung durch SteuerexpertInnen ist dabei unerlässlich. Wir stehen Ihnen für eine Beratung gerne zur Verfügung. Kontaktieren Sei uns gerne unter: office@jagersberger.at Auch ohne GmbH gibt es Strategien, um die Selbständigkeit klarer zu gestalten und rechtliche Risiken zu minimieren.
Für Unternehmen, die mit Freelancern arbeiten, ist es wichtig, die Strukturen der Auftragnehmer genau zu prüfen, um unangenehme finanzielle Folgen zu vermeiden.
